Technologie schlägt Zölle: Welthandel wächst schneller - Globalisierung erreicht neuen Rekordwert
Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Ausgabe des DHL Globalization Tracker, den DHL und die Stern School of Business der New York University heute veröffentlicht haben.
- Der KI-Boom hat sich zu einem starken Treiber des weltweiten Handels entwickelt - sein positiver Effekt wiegt laut dem aktuellen DHL Globalization Tracker die Belastungen durch Zölle und geopolitische Schocks mehr als auf
- Die Handelsaussichten haben sich verbessert - das Wachstum bis 2029 übertrifft laut neuer Prognose das des vergangenen Jahrzehnts
- Die Region Ostasien und Pazifik verzeichnete in den ersten fünf Monaten 2026 das stärkste Handelswachstum, gefolgt von Europa und Subsahara-Afrika
- Die Beziehungen zwischen den USA und China haben sich deutlich abgeschwächt, aber die Verbündeten der USA schlagen nicht denselben Kurs ein
- Die Globalisierung hat mit 25,8% einen Rekordwert erreicht
Bonn, New York - Das globale Rennen um den Aufbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz verleiht dem Welthandel starken Schwung - auch in Zeiten höherer Zölle und geopolitischer Konflikte.
Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Ausgabe des DHL Globalization Tracker, den DHL und die Stern School of Business der New York University heute veröffentlicht haben. Der Bericht untersucht internationale Ströme von Handel, Kapital, Information und Personen. Er basiert auf mehr als 30 Millionen Datenpunkten und bietet die umfassendste verfügbare Analyse zum Stand der Globalisierung. In der vorliegenden Ausgabe erscheint der Bericht erstmals unter neuem Namen. Zuvor hatte er "DHL Global Connectedness Tracker" geheißen.
KI-Ausbau treibt Welthandel an
Der weltweite Warenhandel ist im ersten Halbjahr 2026 laut dem Bericht schneller gewachsen als in jedem anderen Halbjahr der vergangenen 15 Jahre - mit Ausnahme der außergewöhnlich volatilen Covid-19-Zeit. Ein wichtiger Treiber war die starke Nachfrage nach Gütern für den Aufbau von KI-Infrastruktur - etwa Halbleiter und Technik für Datenübertragung. Der Handel mit solchen Gütern trug im Jahr 2025 zu 42% des Wachstums im Warenhandel bei. Im ersten Quartal 2026 waren es laut Analysen von WTO und OECD sogar 76%.
Weltweite Auswirkungen des Iran-Kriegs und der Zölle bleiben begrenzt
Gleichzeitig haben der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus wichtige Handelsrouten beeinträchtigt. Die Folgen konzentrierten sich jedoch vor allem auf Volkswirtschaften, die von der Meerenge abhängig sind. So sank der Wert des Handels in Saudi-Arabien in den ersten fünf Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37%. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ging er um 7% zurück.
Auch die Handelspolitik sorgte für Gegenwind. US-Zölle erreichten den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Ihre globalen Auswirkungen blieben jedoch begrenzt. Einer der Gründe: Auf die USA entfielen in den vergangenen Jahren nur 13% der weltweiten Importe, und rund die Hälfte dieser Importe war - Stand August 2026 - von den Zollerhöhungen ausgenommen. Zudem verzichteten die meisten Länder auf umfassende Vergeltungsmaßnahmen. Viele verstärkten stattdessen ihre Bemühungen, sich durch neue Handelsabkommen Zugang zu alternativen Märkten zu sichern.
Bessere Handelsaussichten trotz jüngster Schocks
Laut aktueller Prognose soll der weltweite Warenhandel bis 2029 um durchschnittlich 3,4% pro Jahr wachsen. Das wäre deutlich schneller als die 2,7% im vergangenen Jahrzehnt.
Region Ostasien und Pazifik mit stärkstem Handelswachstum
Von allen Regionen erzielte Ostasien und Pazifik das stärkste Handelswachstum. Der Wert des Handels der Region stieg in den ersten fünf Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24%. Europa folgte mit 12% und Subsahara-Afrika mit 11%.
Die Region Ostasien und Pazifik verzeichnete aber nicht nur das stärkste Wachstum. Ein größerer Anteil des Handels blieb auch innerhalb dieser Region. Dieser Anteil lag in den ersten fünf Monaten 2026 bei 60% - nach 57% im Gesamtjahr 2025. Zum Anstieg trugen starke asiatische Lieferketten bei, die für den KI-Boom wichtig sind.
Deutliche Entkopplung zwischen den USA und China - aber keine globale Spaltung
Eine der markantesten Veränderungen bei den internationalen Strömen ist die Entkoppelung zwischen den USA und China. Die globalen Auswirkungen sind jedoch überraschend gering. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2015 machte der Handel zwischen beiden Ländern 3,5% des Welthandels aus. In den ersten fünf Monaten 2026 waren es nur noch 1,6%. Noch geringer ist der Anteil der internationalen Unternehmensinvestitionen zwischen beiden Ländern: unter 1%. Gleichzeitig haben enge Verbündete der USA ihre Beziehungen zu China weitgehend aufrechterhalten.
Diese Ergebnisse sprechen gegen die verbreitete Annahme, dass die Entkopplung zwischen den USA und China zu einer Teilung der Weltwirtschaft in rivalisierende Blöcke führen könnte.
Bei genauerer Betrachtung wird außerdem deutlich: Die Zahlen zum direkten Handel stellen die Abhängigkeit der USA von China nicht aussagekräftig genug dar. Denn Waren, die die USA aus anderen Ländern importieren, enthalten zunehmend chinesische Materialien und Komponenten. Berücksichtigt man auch diese indirekten Importe, ist die Abhängigkeit der USA von China bis 2024 nur leicht gesunken. Für spätere Jahre liegen noch keine Daten vor.
Globalisierung erreicht neuen Rekord
Der Bericht analysiert auch den Stand der Globalisierung im weiteren Sinne - auf Grundlage internationaler Ströme von Handel, Kapital, Information und Personen. Die Skala für den Grad der Globalisierung reicht von 0% (keine grenzüberschreitenden Ströme) bis 100% (Grenzen und Entfernungen spielen keine Rolle).
2025 stieg der Globalisierungsgrad der Welt mit 25,8% auf einen neuen Rekordwert. Der Handel mit Gütern für KI-Infrastruktur und KI-bezogene Investitionen spielten auch hier eine Rolle.
Alle vier Kategorien von Strömen trugen zum neuen Rekord bei und wurden internationaler. Am stärksten globalisiert sind nach wie vor Informationsströme. Es folgen Kapital- und Handelsströme. Personenströme bleiben am wenigsten globalisiert.
Der DHL Globalization Tracker
Der DHL Globalization Tracker ist ein kompakter Bericht mit interaktiver Website zum Stand der Globalisierung und des Welthandels. Mit regelmäßigen Updates ergänzt er den renommierten DHL Globalization Report, der seit 2011 regelmäßig erscheint. Der Tracker basiert auf über 25 öffentlichen, privaten und wissenschaftlichen Quellen und analysiert mehr als 30 Millionen Datenpunkte zu internationalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen.
Mit interaktiven Online-Diagrammen können Nutzerinnen und Nutzer Trends nach Region, geopolitischer Ausrichtung und für einzelne Länder erkunden. Diagramme und Daten lassen sich außerdem herunterladen.
Der DHL Globalization Tracker wird von DHL in Auftrag gegeben. Erstellt wird er von Prof. Steven A. Altman und Caroline R. Bastian von der New York University Stern School of Business. Der Bericht sowie weitere Materialien sind verfügbar unter dhl.com/globalization.
Hinweis: Der DHL Globalization Tracker und der DHL Globalization Report hießen zuvor "DHL Global Connectedness Tracker" und "DHL Global Connectedness Report". Die neuen Namen bringen den Forschungsschwerpunkt direkter zum Ausdruck. Umfang und Herangehensweise bleiben unverändert. Die Vergleichbarkeit mit früheren Ausgaben ist damit gewährleistet.
Auf einen Blick: Die neue Ausgabe des DHL Globalization Tracker (Oktober 2026)
Sabine Hartmann
Konzernthemen
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