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"Mit unserer Strategie 2030 setzen wir die richtigen Prioritäten in volatilen Zeiten"

Die DHL Group hat das Geschäftsjahr 2025 erfolgreich abgeschlossen. Zwar haben Wechselkurseffekte zu einem leichten Umsatzrückgang beigetragen, dennoch konnte der Konzern seine Finanzziele übertreffen. Der operative Gewinn (EBIT) lag mit 6,1 Milliarden Euro ebenso über der Prognose wie der Free Cashflow ohne M&A mit 3,2 Milliarden Euro. In diesem Interview erläutert CEO Tobias Meyer die Gründe für die verbesserte Profitabilität. Außerdem spricht er darüber, warum die Vorteile von Strategie 2030 gerade im aktuellen Umfeld zum Tragen kommen und was sich die DHL Group für 2026 vornimmt. 

Chief Executive Officer Tobias Meyer

Herr Meyer, starten wir mit dem Blick aufs große Ganze: Wie bewerten Sie das Geschäftsjahr 2025?

Tobias Meyer: Wir hatten mit einem durchaus volatilen Jahr 2025 gerechnet. Und tatsächlich haben die geopolitischen Auseinandersetzungen und Handelskonflikte eine neue Dimension erreicht. Dennoch haben wir unsere Finanzziele für 2025 übertroffen. Der Umsatz war leicht rückläufig, unter anderem aufgrund von Wechselkurseffekten. Am Ende stehen ein gutes operatives Ergebnis mit weiterer Margenverbesserung und ein starker Free Cashflow.

Was waren die Erfolgsfaktoren für das gute Abschneiden?

Tobias Meyer: Das geopolitische Umfeld können wir nicht beeinflussen; die Art und Weise, wie wir damit umgehen, schon. Wir haben uns früh darauf eingestellt und uns auf die Hebel konzentriert, die in unserer Hand liegen. Das Wichtigste ist eine hohe Qualität für unsere Kunden, denn DHL steht für exzellenten Service. Durch unsere globale Präsenz mit lokalen Experten sind wir auch unter schwierigen Bedingungen ein verlässlicher Partner für unsere Kunden. Wenn sich die globalen Handelsströme innerhalb kurzer Zeit verändern, müssen wir unsere Kapazitäten flexibel anpassen. Das ist im Sinne unserer Kunden und hilft uns gleichzeitig, effizient zu bleiben. Zudem zeigen unsere Maßnahmen für strukturelle Kostenverbesserungen Wirkung. In Summe hat unser Kostenprogramm Fit for Growth im Jahr 2025 brutto über 600 Millionen Euro zum operativen Ergebnis beigetragen.

Können Sie die Kosten- und Effizienzverbesserungen an ein paar Beispielen verdeutlichen?

Tobias Meyer: Unsere Divisionen profitieren stark von standardisierten und automatisierten Prozessen und auch dem Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz. Bei der Zollabfertigung und im Kundenservice unterstützt künstliche Intelligenz unsere Mitarbeiter und macht die Prozesse schneller. Bei DHL Express konnten wir zudem die Kosten für unser Luftfahrtnetzwerk beispielsweise durch den Einsatz effizienterer Frachtflugzeuge und die Neuorganisation von operativen Prozessen verbessern. Es gibt noch viele weitere Beispiele, aber es wird schnell sehr technisch. Fakt ist: Die Kostenmaßnahmen haben uns wettbewerbsfähiger gemacht.

Sie haben die positive Ergebnisentwicklung betont. Alle Divisionen sind beim operativen Ergebnis gewachsen - nur bei DHL Global Forwarding, Freight war ein Rückgang zu verzeichnen. Wie begegnen Sie dem?

Tobias Meyer: Aktuell ist das Umfeld im Speditionsgeschäft sehr herausfordernd. In der Luft- und Seefracht sehen wir sinkende Frachtraten. Im Landverkehr spüren wir die schwache Konjunktur in Europa und insbesondere in Deutschland. Aber: Global Forwarding ist heute deutlich profitabler als vor der Pandemie und das Geschäftsmodell durch den geringen Kapitaleinsatz sehr attraktiv. Oscar de Bok und sein Team haben hart daran gearbeitet, die Strukturen der Division zu verbessern. Jetzt liegt der Fokus darauf, Marktanteile zu gewinnen und die Fähigkeiten auch in Spezialsegmenten weiter zu verbessern. Das bringt dann auch die Wende beim Ergebniswachstum.

Mit der Strategie 2030 wurden Schwerpunkthemen und Wachstumsbereiche definiert. Wie ist die DHL Group im Jahr 2025 mit der Umsetzung vorangekommen?

Tobias Meyer: Wir investieren gezielt in Regionen und Sektoren, in denen wir in den kommenden Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten. Im Life Sciences- und Healthcare-Sektor haben wir beispielsweise ein Investitionsprogramm über zwei Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 aufgesetzt. Dazu gehören auch Unternehmenszukäufe, mit denen wir unsere Fähigkeiten in diesem Bereich weiter stärken. Zusätzlich haben wir einiges an organischen Investitionen auf den Weg gebracht. Auch im Wachstumsmarkt Neue Energien war die Entwicklung erfreulich. Der Umsatz in diesem Segment hat gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Prozent zugelegt. Und natürlich engagieren wir uns stark in Regionen mit aufstrebenden Volkswirtschaften. So bauen wir unsere Logistikinfrastruktur in Ländern wie Indien oder Kolumbien aus. Beide stehen beispielhaft für Standorte, die im Welthandel zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mittelfristig werden sich diese Investitionen auszahlen und unser nachhaltiges Wachstum beschleunigen.

Stichwort nachhaltiges Wachstum: Die DHL Group hält an ihren Nachhaltigkeitszielen fest. Warum? Und wie kommt der Konzern voran?

Tobias Meyer: Nachhaltigkeit wurde über die vierte Zieldimension 'Grüne Logistik erster Wahl' fest in unserer Unternehmensstrategie verankert. Das Problem mit der Erderwärmung ist ja nicht aus der Welt, nur weil es politisch weniger Aufmerksamkeit genießt. Ich bin überzeugt, dass unsere Investitionen langfristig einen Wettbewerbsvorteil schaffen werden. Wir verzeichnen eine steigende Nachfrage für emissionsarme Logistiklösungen, und wir haben die passenden Angebote für unsere Kunden. Ende des Jahres 2025 bestand unsere Abhol- und Zustellflotte zu 46 Prozent aus Elektrofahrzeugen. Und in unserer eigenen Flugzeugflotte haben wir bereits 10 Prozent nachhaltige Flugzeugtreibstoffe, sogenanntes SAF, eingesetzt. Das mag nach nicht viel klingen, aber global gehört DHL Group damit zu den größten SAF-Nutzern. Wir machen Fortschritte und sind insgesamt auf einem guten Weg.

Im Mai 2026 kommen die Aktionäre zur nächsten Hauptversammlung zusammen. Der Cashflow war im Geschäftsjahr 2025 sehr erfreulich. Was bedeutet das für Ihre Ausschüttungen an die Aktionäre?

Tobias Meyer: Der Free Cashflow vor M&A in Höhe von 3,2 Milliarden Euro ist ein starkes Ergebnis. Im Jahr 2015 lagen wir noch bei 1,5 Milliarden Euro. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass wir unsere Finanzkraft strukturell verbessern konnten. Damit haben wir die Grundlage für eine verlässliche und wirtschaftlich nachhaltige Ausschüttung geschaffen. Es freut mich deshalb sehr, dass wir der Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung auf 1,90 Euro je Aktie vorschlagen können. Damit lägen wir ganz knapp oberhalb unseres Ausschüttungskorridors von 40 bis 60 Prozent des Nettogewinns.

Was erwarten Sie vom weltwirtschaftlichen Umfeld im Jahr 2026 und wie wirkt sich das auf Ihre Prognose für das Jahr 2026 aus?

Tobias Meyer: Es gibt vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten - das haben wir in den ersten zwei Monaten des Jahres schon deutlich gesehen. Unsere Prognose kalkuliert explizit keine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds ein. Wir gehen davon aus, dass wir auch unter diesen Bedingungen ein operatives Ergebnis von über 6,2 Milliarden Euro und einen Free Cashflow vor M&A von rund 3 Milliarden Euro erreichen können.

Insgesamt sehe ich uns für 2026 sehr gut aufgestellt. Mit unserer Strategie 2030 setzen wir die richtigen Prioritäten in volatilen Zeiten. Wir investieren gezielt in Märkte und Sektoren, die überdurchschnittlich wachsen. Gleichzeitig arbeiten wir konsequent an unserer operativen Effizienz und an strukturellen Kostenverbesserungen.